Geschichte

Univ. Prof. Dr. Alexandra Piringer-Kuchinka (1912 - 2004)

Alexandra Priginer-KuchinkaAlexandra Piringer-Kuchinka stammte aus der Familie eines hohen K.u.K. Offiziers, dementsprechend war ihre Erziehung die einer hohen Tochter und hat ihr eine generell umfassende Bildung zuteil werden lassen, wie sie heute leider nicht mehr üblich ist. Ihr Studium absolvierte sie an der Wiener Universität; die, die sie noch kannten, werden sich an ihre aparte damenhafte Erscheinung erinnern und in diesem Sinn kann ich einen leider auch schon verstorbenen Kollegen, der viele Studien-Semester mit ihr verbracht hat, zitieren: „Alle haben wir sie verehrt". Nach ihrer Tätigkeit als Demonstratorin in Anatomie und Famulaturen im Diakonissen-KH und in Klagenfurt und langsamer Überwindung der damals noch stark ausgeprägten Vorurteile gegenüber Frauen im Studium begann sie, sich Ihre postpromotionellen Sporen am Wiener Universitätsinstitut und an der Poliklinik zu verdienen, wo sie die Pathologie wegen des Kriegsdienstes von Feller und Homma auch eine Zeit lang leitete. Ihre grundlegende pathologische Formung erhielt sie nach eigener Aussage durch Carmen Coronini-Kronberg, die sie sehr verehrte.

 

Ein weiterer prägender Faktor in ihrem Berufsleben - sie arbeitete seit 1945 an der Pathologie des Hanusch Krankenhauses - war ab 1947 Friedrich Feyerter, mit dem zusammen sie die Grundlage für ihre Habilitation durch eine große Zusammenschau von Magen-Darmwandtumoren schuf. Für damalige Verhältnisse - nur mit exakter Morphologie und der Thionin-Einschlußfärbung ohne heute selbstverständliche Antikörpertechniken und Elektronenmikroskopie - wurde schon ziemlich treffsicher zwischen neurogenen und myogenen Tumoren unterschieden; von GISTs war damals noch keine Rede.

Feyerter folgte einem Ruf an die Göttinger Universität und damit begann Alexandra Piringers Ära im Wiener Hanusch Krankenhaus, wo sie nach einem kurzen Interregnum durch Dr. Kelen ab 1. Juli 1951 als Primaria die Pathologie bis zu ihrem Ruhestand mit Dezember 1977 leitete.

Sie habilititerte 1952, was in der damaligen Zeit für eine Frau und noch dazu „von außen" als Leistung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Sie baute mithilfe ihrer langjährigen Assistentin, Ilse Pechotsch, die Mikrobiologische Diagnostik auf - damals mußten noch alle Nährböden gekocht werden - und entwickelte eine heute leider unüblich gewordene Technik der Autovaccineherstellung bei chronischen Staphylokokkeninfektionen.

In der Serologie widmete sie sich mit Hingabe ihrem Lieblingsthema Toxoplasmose-und auch der Luesdiagnostik.

Die Bedeutung der noch ganz jungen Zytodiagnostik war ihr bald so bewußt, daß sie die damalige Pionierin und höchste Autorität auf diesem Gebiet - Margareta Fischnaller - als ständige Konsiliaria und Lehrerin für die Mitarbeiter des Instituts gewinnen konnte. Ihr allround-Können in chirurgischer Pathohistologie war legendär und machte sie zu einer der ersten Konsiliaradressen bei kniffeligen histologischen Diagnosen. Ihre Liebe zur Hauthistologie und zum Detail mündeten z.B. in einer Arbeit über den sehr häufig vorkommenden Clavus, von dem man praktisch nichts wußte, was letzlich in 246 Literaturanforderungen aus aller Welt gipfelte.

Über ihr wahres Hobby, die Hämato- und Lymphompathologie weiß man in diesem Forum Bescheid. Sie arbeitete - anfangs gegen den Widerstand einiger namhafter Fachkollegen - das Bild der toxoplasmotischen Lymphadenitis heraus, das bei strenger Anlegung der Kriterien zu 100% die Ätiologie trifft und längst als Piringersche Lymphadenitis in die Literatur eingegangen ist. Mit diesen Arbeiten schuf sie enge Beziehungen nach Prag, Paris und Kiel in das dortige Hämopathologiezentrum. Heute kennen die Hämatologen das internistisch-klinische Bild und sichern die Diagnose serologisch, außerdem ist diese wegen der Gefährdung von Ungeborenen integrierender Bestandteil des Mutter-Kind-Passes geworden.

Auch hat Alexandra Piringer als erste österreichische Pathologin begonnen, sich intensiv mit der pathohistologischen Diagnostik von malignen Erkrankungen des blutbildenden Organs und der Lymphknoten zu beschäftigen, sehr in weiser Voraussicht, daß von diesem Gebiet der Pathologie zusätzlich auch noch die entscheidenden Impulse sowohl zur Verbesserung lichtmikroskopischer Techniken als auch der Immunhistochemie kommen würden. Es war ihr leider nicht mehr vergönnt, die explosionsartige Weiterentwicklung dieser Methoden auszunützen. 

Alexandra Piringer war Mitbegründerin der European Society of Pathology und drei Jahre lang deren Präsidentin, darauf Ehrenmitglied dieser Gesellschaft. Sie war Consulting Pathologist US-amerikanischer Pathologen, drei Mal Präsidentin der ÖGP und deren Ehrenmitglied sowie Mitglied in zahlreichen weiteren nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften.

Mit ihr hat die deutschsprachige Pathologie eine der bedeutendsten Vertreterinnen verloren.

 

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